top of page

Teil 2: Achtsamkeit – hilft das wirklich, auch im Job?


Blog-Reihe Achtsamkeit: Teil 2: Meditierende Mitarbeiter sitzen auf Tischen.

"Hör mir auf mit Achtsamkeit“

Die Überschrift eines Artikels in der „Zeit“ zu diesem Thema brachte mich zum Schmunzeln: „Hör mir auf mit Achtsamkeit“. In der Tat ist das Thema mittlerweile so sehr in aller Munde, dass es kaum möglich ist, sich davor zu verstecken. Es gibt Bücher, Seminare, Workshops und sogar Apps. Auch in meinem Fitnessstudio gibt seit längerem Mindfulness-Kurse und aufgrund der aktuellen Situation gibt es diese nun virtuell.


Sicherlich durchleben wir alle aktuell eine ganz besondere Zeit, die geprägt ist von Unsicherheit und Verunsicherung, von Angst und Sorgen, von Wandel und Veränderung, von Zwangsentschleunigung auf der einen Seite und von Überlastung auf der anderen. Achtsamkeit scheint da nun ein Thema, das gerade nicht so wichtig ist! Oder ist es vielleicht gerade deswegen umso wichtiger?


In Teil 1 dieser Blog-Reihe habe ich bereits kurz darüber geschrieben was Achtsamkeit ist und was wir grundsätzlich damit anfangen können. Aber die Frage, die ich mir stelle ist, ob es nur eine Modeerscheinung, ein Hype ist oder ob es uns wirklich helfen kann. Ist es ein Allheilmittel für alles? Und wenn ja, wie genau helfen uns die Bewusstseinstechniken der Achtsamkeit unseren westlich-schnellen Lebensstil auch im Job zu entschleunigen? Ein bisschen Yoga, ein bisschen Meditation und alle Wehwehchen, Krankheiten und Stresszustände sind wie weggeblasen?


JEIN... In der Tat gibt es unheimlich viele positive Auswirkungen von Yoga, Meditation, Achtsamkeit, progressiver Muskelentspannung auf uns und unser Wohlbefinden. Unumstritten! Allerdings lässt sich nicht pauschal sagen, dass alle diese Methoden immer und für alles anwendbar sind, also im Stande sind alle „Leiden der modernen Welt zu heilen“, denn wo es Befürworter gibt, gibt es logischerweise auch Kritiker!


Kritische Betrachtung

Wenn man die Literatur zu dem Thema mal durchforstet, geht es tatsächlich mehrheitlich um die positiven Effekte von Achtsamkeit. Was Achtsamkeit nicht alles leisten kann: von Schlafstörungen, über Unruhezustände sowie psychische und körperliche Leiden jeder Art.


Aber neben den ganzen positiven Meinungen gibt es in der Tat auch Stimmen, die zur Vorsicht ermahnen:

Es gibt nicht genug Belege für die Wirksamkeit von Achtsamkeit. Achtsamkeit wird viel zu übertrieben dargestellt. Und dabei geht es weniger um die positiven Auswirkungen, die diese Bewusstseinstechniken möglicherweise auf uns haben - uns entspannter, resilienter, konzentrierter machen. Hierbei geht es vielmehr darum aufzuzeigen, dass Achtsamkeit kein Allheilmittel für jegliche Art von Erkrankung darstellt. Auch die angebotenen Kurse in Unternehmen sollten eher vorsichtig betrachtet werden. Mit Meditation und Achtsamkeit zu weniger Stress und mehr Leistung. Aus welchem Grund? Ist es wirklich ein Goodie für die Mitarbeiter oder nicht einfach nur „wirtschaftliches Kalkül“? Besteht nicht auch die Gefahr, dass die Mitarbeiter so noch weiteren Druck und Stress erfahren, da es am Ende immer nur darum geht, sich zu optimieren und besser zu werden? Was ist denn, wenn die Leistung am Ende nicht gesteigert ist und man nicht optimiert aus dem Achtsamkeitskurs hervorgeht?


„Anstatt die absurden Anforderungen des Arbeitsmarktes zu hinterfragen, wird das eigene Anpassungsvermögen optimiert.“


„Sie gaukelt Normalität vor, wo Empörung angebracht wäre. Sie macht überforderte Arbeitnehmer zu Bewusstseins-Unternehmern, die den eigenen Körper so resilient machen wollen, dass sie Strapazen gehorsam über sich ergehen lassen. Mehr noch, damit sie besser werden als die Konkurrenz.“


„Es geht nicht nur darum, Autonomie über den eigenen Geist zurückzuerlangen, sondern auch über die eigenen Umstände. Im Jetzt leben, wie es die Achtsamkeit fordert, darf nicht auf Kosten der Zukunft gehen.“ (Quelle: Die gefährlichen Folgen der Achtsamkeitslehre)


Zwei Kritiker von Jon Kabat-Zinn, dem Vorreiter der heutigen Anti-Stress-Achtsamkeitsbewegung, haben ganze Bücher dazu geschrieben. Sowohl Ronald Purser in „McMindfulness“ wie auch David Forbes in seinem Buch „Mindfulness and its discontents“ kommen zu dem Schluss, „dass Achtsamkeit in den meisten Fällen die vorherrschenden Zustände legitimiert, anstatt sie infrage zu stellen.“ (Quelle: Die gefährlichen Folgen der Achtsamkeitslehre)


Auch gibt es Menschen, die mit dem ganzen Kram nichts am Hut haben. Die einfach nicht verstehen, warum wir uns heute alle soviel mit uns selbst beschäftigen. Warum wir ständig in uns reinhören müssen, um zu schauen, wie es uns geht. Gerade die älteren Generationen finden das alles wohl etwas sonderbar, kann ich mir vorstellen, hatten sie doch damals ganz andere Sorgen, als sich ständig mit sich selbst zu beschäftigen und sich um wohlfühlen, in sich reinfühlen, Stress wegatmen und bewusst sein Essen zu genießen, zu kümmern.


Heute suchen die Menschen Hilfe bei Schlafstörungen, Problemen im Job, Konflikten und Ängsten, chronischen Schmerzen. Laut des Zeit-Beitrages „Hör mir auf mit Achtsamkeit“ wird viel übertrieben, „wenn es darum geht, was Achtsamkeit alles können soll“. Bei vielen Krankheitsbildern, zum Beispiel Angststörungen, psychischen Störungen, die nur körperliche Symptome verursachen, konnten bislang keine Beweise für die Wirkung von Achtsamkeitsübungen gefunden werden – oder es gab zu schlechte Daten.

Wiederum gibt es wissenschaftliche Studien, die belegen sollen, dass das MBSR-Programm positive Auswirkungen haben soll. Auch bei Menschen mit Depressionen könne Achtsamkeit hilfreich sein.


Schlussendlich gibt es in der Tat viel mehr Positives als Negatives darüber zu lesen. Und auch ich selbst finde Atemübungen und die Konzentration auf den Moment unheimlich bereichernd. Es gibt ja auch nichts zu verlieren, wenn wir es einfach mal versuchen. So vi